Gott ist im Leben

Leitgedanken einer theologischen Neubesinnung angesichts des Atheismus heute

Es ist unbedingt notwendig, zu einer Spiritualität zurückzukehren, die auf den großen Segen der Schöpfung ausgerichtet ist.

Diese Spiritualität besteht nicht nur vordergründig darin, dass wir uns ethische Maßstäbe auferlegen, mit der Natur achtsam umzugehen. Das ist zwar gut und notwendig, aber nicht ausreichend.

Sie richtet sich vielmehr daran aus, die Transparenz der Schöpfung für Gott zu entdecken.

Das bedeutet auch eine Neufassung unseres Denkens und Glaubens, was Gott betrifft. Dietrich Bonhoeffer, der Märtyrer aus der Zeit des Nationalsozialismus, hat in diese Richtung gedacht und gepredigt.

Die europäische Aufklärung hat jeden naiven Umgang mit dem Reden von Gott unter Kritik gestellt. Das bedeutet nicht, dass der glaubende Mensch nicht mehr poetisch oder metaphorisch von Gott reden kann. Er muss aber im Kontext einer „gott-losen“ Gesellschaft fähig sein, Rechenschaft über seine Sprache zu geben und sich rational und kommunizierbar zu verantworten.

Ein panentheistisches Sprechen und Denken von Gott bietet einen Weg an, Atheisten eine Variante des christlichen Glaubens vorzustellen, die viele ihrer Gegenargumente ins Leere laufen lässt.

Gott ist nicht „jemand da draußen“ oder ein Lebewesen in einem fernen „Himmel“. Gott wird transparent und damit erfahrbar in der Natur, die wir die Schöpfung nennen. „Schöpfung“ bedeutet mehr als „Natur“, wie sie mit dem Instrumentarium der Wissenschaft erforscht worden ist und weiterhin erforscht werden wird. Von Gott kann unmöglich geredet werden, wenn dieses Reden losgelöst bleibt von der Faszination der geschaffenen Welt und ihrer Kräfte. Von dem „lebendigen Gott“ kann nur sprechen, wer Gott und das Leben nicht auseinander hält.

Während in der biblischen Zeit und Welt die Natur dem Menschen so gegenwärtig war, dass sie ihn auf Schritt und Tritt an Gott erinnerte, muss der Mensch der Gegenwart erst den Bezug zur Schöpfung erleben, ehe er bewusst von Gott reden kann.

„Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt.“ (Röm 1,20)

Das periodische System der Elemente, die es in den Naturwissenschaften gebraucht wird, erschließt uns Einsicht in Aufbau und Struktur der Welt, nicht nur der irdischen. Aber es vermittelt Wahrheit erst, wenn es in Verbindung tritt mit der uralten Weisheit, mit der der Mensch die Schöpfung erleben kann. Die so genannten „Ur-Elemente“ (Erde – Wasser – Feuer – Luft) vermitteln Erkenntnis, die dem Menschen zu einem Leben in Freude, Dankbarkeit und Begeisterung helfen kann.

Die Schöpfung als den „großen Segen“ (Matthew Fox) wieder zu entdecken und den Bezug zu ihr als von dem Vertrauen auf „Gott“ unablösbar zu erleben, muss Aufgabe der Christen in einer säkularen Gesellschaft sein.

Das meditative Beten im Sinne einer Kontemplation der Gegenwärtigkeit der Elemente Erde – Wasser – Feuer – Wind sollte dabei neben das Betrachten der zentralen Worte der ursprünglichen Jesus-Tradition (Reich-Gottes-Verkündigung) treten.

So entsteht ein doppeltüriges Portal, das zum Betreten des Raumes einlädt, in dem Glauben heute möglich wird, der sich von bloßer Religion deutlich unterscheiden lässt und fähig wird, in einen sinnvollen Dialog mit dem neuzeitlichen Agnostizismus und Atheismus einzutreten.

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Über Dr. Erhard Griese

Jahrgang 1936, verheiratet, drei erwachsene Töchter, vier Enkelkinder. Dr. theol. und Pfarrer i. R. der Evangelischen Kirche im Rheinland. Ich möchte hier Beiträge zu den Themen "Theologie" und "Pilgerreisen" anbringen.
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