Iona und sein keltisches Erbe – eine Erkundung

Lorenz Bührmann und Erhard Griese (2009)

Die Insel

Iona liegt weit am Rande unserer „alten Welt“. Von welchem Punkt des kontinentalen Europa aus man auch immer  zu der „heiligen Insel“ Schottlands aufbricht, es sind immer zwei Tage, bis man ankommt. Genug Zeit, um sich auf eine Woche bei der Community of Iona innerlich einzurichten. Das Erlebnis der Insel gehört untrennbar zu der Zeit dazu, die der Gast mit den Angeboten der Community verbringt. Die Insel ist hügelig. Wiesen, Sumpfland und Felsen, steinige und sandige Strände prägen ihr Gesicht. Bäume sind selten. Wolken ziehen auch an sonnigen Tagen über den Himmel, und der Wind weht ununterbrochen spürbar. Aber sonst ist es sehr still. Schafe und wenige Rinder (auch die zottigen schottischen Hochlandrinder) grasen auf den Wiesen. Der Verkehr beschränkt sich auf die einheimischen Autos, die die Versorgung sicherstellen. Ein winziges Postamt und eine eigene Feuerwehrstation beleben neben den wenigen kleinen Hotels und Bed-and-Breakfast-Angeboten das Bild der bewohnten Zone. Neben dem eindrucksvollen Bau der wiederhergestellten Abbey steht die uralte kleine St. Oran‘s Chapel auf dem Friedhof. Das einstige benediktinische Frauenkloster, die „nunnery“, beeindruckt nur noch mit Ehrfurcht einflößenden Ruinenmauern. Außerdem gibt es eine kleine Gemeindekirche der Church of Scotland (Presbyterians), ein Einkehrhaus mit Kapelle der Episcopal Church of Scotland und eines der römisch-katholischen Kirche. Die Gebäude des alten Benediktinerklosters unterstehen jetzt der staatlichen Denkmalspflege der „History of Scotland“ und sind der Community zum Gebrauch überlassen. Der Lord of Argyll, der sie vor einem Jahrhundert zur öffentlichen Nutzung freigegeben hat, hat verfügt, dass alle christlichen Konfessionen sie zu Gottesdiensten nutzen dürfen.

Die Reise auf die Insel ist bereits ein besonderes Erlebnis: Wenn man in einer der geschäftigen schottischen Großstädte landet, geht es von dort aus mit dem Zug weiter in das beschauliche Küstenstädtchen Oban, dem Fährhafen für viele hebridische Inseln. Eine dreiviertel Stunde dauert die Fährüberfahrt auf die Insel Mull, in einem Bus geht es dann über eine Stunde auf einspuriger Straße durch urtümliche Landschaft, in der es nur einige wenige kleine Ortschaften gibt, zu einem zweiten Fähranleger am Ende der großen Insel. Dann sieht man schon die kleine Insel mit ihren wenigen Häusern und der alten Abteikirche vor sich liegen. Noch einmal zehn Minuten Fahrt, und man ist auf der Insel, die 8,8 qkm groß ist und 125 ständige Bewohner zählt.

Geschichte

Ionas Geschichte beginnt im Jahre 563. In diesem Jahr kam der irische Mönch Columban mit zwölf Gefährten aus Irland nach Iona. Sie gründeten dort ein Kloster, das man sich anfangs als einfache Anlage aus grasbedeckten steinernen Hütten vorstellen muss. Gottesdienste wurden in der keltischen Christenheit im Freien unter den Hochkreuzen gehalten, die auf vorchristliche Menhire zurückgehen.

Von Iona aus breitete sich der keltische Typ des christlichen Glaubens in Schottland und Nordengland aus. Die Sendboten der keltischen Kirche brachten den christlichen Glauben auch nach Mitteleuropa. Auf Iona blühte zugleich die Kultur auf. Vermutlich wurde das später nach Irland verbrachte „Book of Kells“ im 7. oder 8. Jahrhundert auf Iona geschrieben und mit seinen unvergleichlich prächtigen Symbolen und Bildern geschmückt.

Als Zentrum der keltischen Kirche war Iona mehrere Jahrhunderte lang eine Heilige Insel, zu der unzählige Menschen pilgerten und auf der neben einigen norwegischen Herrschern die Könige von Dalriada, dem späteren Schottland, bestattet wurden. Der letzte davon war der aus Shakespeares gleichnamigem Drama bekannte Macbbeth.

Zahlreiche keltische Hochkreuze entstanden als Orte von Gottesdiensten im Freien in dieser Zeit auf Iona. Diese Tradition wurde auch in der benediktinischen Epoche fortgesetzt. Viele von ihnen wurden in der puritanischen Reformation zerstört und ins Meer geworfen. Das St. John‘s Cross aus dem 8. und das St.Martin‘s Cross aus dem 9. Jahrhundert existieren noch, ersteres in einer Betonreplik, die inzwischen auch Alterspatina angesetzt hat, während das Original ins Museum gebracht werden musste, nachdem es mehrere Mal umgestürzt war.

Die keltische Klosteranlage, erkennbar an ihrer steinernen Ummauerung, bestand bis ins 11. Jahrhundert. Sie wurde 795, 802 und 806 von Wikingern zerstört. 1203 entstand an ihrer Stelle ein Benediktinerkloster im romanischen Baustil, wenige 1oo Meter entfernt auch ein Frauenkloster, die heutigen Ruinen der „nunnery“.

Die Reformation beendete dieses Klosterleben. Die Gebäude verfielen allmählich, bis Ende des 19. Jahrhunderts der damalige Besitzer der Insel, der Lord of Argyll, an einen Wiederaufbau dachte.

Die Community

Dieser Wiederaufbau kam erst in Schwung, als 1938 George MacLeod, Pfarrer der Church of Scotland, in einem Arbeiterviertel von Chicago, eine neuartige christliche Basisgemeinde unter dem Namen „Iona Community“ gründete. Sie ging aus gemeinsamen Arbeitsmonaten von Theologen und arbeitslosen Fabrikarbeitern hervor, die die „Abbey“ instandzusetzen begannen.

Heute ist die Iona Community eine ökumenische Gemeinschaft („dispersed“, d.h. „nicht zusammenlebend“) in Glasgow, auf Iona und an anderen Orten, die sich eine Erneuerung des kirchlichen Lebens und des sozialen Engagements auf der Grundlage einer wiederentdeckten keltisch-christlichen Spiritualität zum Ziel gesetzt hat.

Weitreichende Kontakte zu anderen ökumenischen Gruppen und ebenso zur schottischen Labour Party gehören dazu, deren früherer Vorsitzender John Smith (1938-94) auf dem Friedhof nahe der Abbey begraben liegt.

Zu den Aktivitäten der Community gehört auch, im MacLeod-Center (dem „Mac“) und in der Abbey Gäste aufzunehmen, die das Leben und Arbeiten der „volunteers“ teilen und sich in die Themen einer erneuerten keltischen Spiritualität und die täglichen Gottesdienste in der Abbey Church einladen lassen.

Keltisch-christliche Spritualität

Wie hat man sich die „keltische Spiritualität“ vorzustellen?

Ihr bekanntestes „Produkt“ sind die auch bei uns populär gewordenen Büchlein mit „irischen Segensworten“ (auch vielen neu formulierten). Sie machen einen besonders bildkräftigen Bezug zur Schöpfung sichtbar.  Die meist mündliche Tradition der keltischen Theologie spricht von dem „big volume“ Gottes, dem „großen Buch“, nämlich der Schöpfung, und dem „little volume“, der Bibel. Dabei standen die vier Evangelien immer im Zentrum.  Die iro-schottischen Mönche trugen bei ihren großen „Pilgerfahrten“ stets ein Evangeliar (Evangelienbuch) mit sich. Die paulinische Theologie, wie sie etwa Augustinus vertrat, kam bei ihnen nicht so zum Zuge. Sie galten vielen lateinischen Theologen als Anhänger des umstrittenen (britischen) Mönchs Pelagius. Zutreffend ist offensichtlich, dass sie eine optimistische Sicht des Menschen vertraten, die weniger auf einer Erbsünde oder totalen Verderbnis des Menschen als auf dem schöpfungsgemäß Guten in ihm aufbaut. Zugleich ging es ihnen um eine Ethik, die asketische Züge trägt. Im Grund stellt diese Haltung ein urchristliches Erbe dar. Mit der Taufe sei die Trennung von Gott ohnehin überwunden, und nun könne (und müsse) ein Christ sein neues Leben durch gute Taten beweisen.

Das keltische Christentum verstand sich immer in der Gemeinschaft mit der ganzen Kirche, aber niemals als dem Papst rechtlich unterworfen oder von einem der alten Patriarchate abhängig. Seine im 3. bis 5. Jahrhundert aus der Missionierung der druidischen Kelten in Britannien, Wales, Schottland und Irland entwickelte Kirche wurde zwischen der Synode von Whitby (664) und dem 12. Jahrhundert allmählich zurückgedrängt und ging schließlich in der angelsächsisch-römisch geprägten katholischen Kirche auf. In Irland war bis über die Reformation hinaus spürbar, dass die „grüne Insel“ niemals römisch besetzt war und nicht von den auf der britischen Hauptinsel ab dem 6. Jahrhundert eindringenden Angelsachsen oder den Normannen (nach 1066) regiert wurde. Ebenso war es, im Gegensatz zum übrigen Europa, von der Völkerwanderung nicht betroffen und hat auch die Reformation des 16. Jahrhunderts nicht mitvollzogen. Das offizielle Ende der keltischen Kirche Irlands ist mit der Synode von Cashel (1172) zu datieren, aber der Geist des keltischen Christentum lebt bis heute in Schottland und Irland, besonders auf den Hebriden, weiter.

Dieser Geist zeigte sich bereits bei der frühen Christianisierung Irlands im 3./4. Jahrhundert. Im Gegensatz zu den Christianiserungskampagnen des römischen Imperiums nach 380 und der angelsächsischen Mission unter Wynfrith-Bonifatius (ganz zu schweigen von Karls des Großen „Blutgericht“ von Verden 782) gingen die ersten Christen auf der keltischen Insel völlig einfühlsam vor. Sie sollen so lange mit den Druiden friedlich zusammengelebt haben, bis sich diese dem neuen Glauben öffneten, der ganz bewusst an ihre bisherige archaische Religiosität anknüpfte. Die Schöpfungstheologie der keltischen Kirche hat da ihren Ursprung. Missionsinstrument war das Leben der Christen, nicht Überredungskunst oder Drohung mit der Hölle. Bekannt ist das Beispiel des heiligen Patrick, der den Iren die Dreifaltigkeit mit dem dreiblättrigen Kleeblatt erklärt haben soll, das als „Shamrock“ zum Symbol Irlands wurde.

Auch wurden die alten vorchristlichen heiligen Stätten bewahrt. Das gilt auch für die Missionsgebiete keltischer Mönche in Süddeutschland, der heutigen Schweiz und Tirol, wo sich unzählige Kapellen am Ort einstmal heidnischer „Urzeitstätten“ befinden.  Der sprachliche Einfluss der keltischen Mission spiegelt sich auch in der in Süddeutschland – dem Missionsgebiet der iro-schottischen Mönche – bis heute üblichen Grußformel „Grüß Gott“ (Es grüße = segne dich Gott). Dabei handelt es sich um eine Lehnübersetzung des in Irland bis heute üblichen Grußes „Dia dhuit“ (Aussprache je nach irischem Dialekt „dia dit“ oder auch „dia gitsch“): „Gott sei mit dir!“

Eigenarten der alten „keltischen Kirche“?

Das keltische Christentum wies viele Wesenszüge des frühen Christentums, ja der vorchristlichen keltischen Religion auf. Es stand den Ostkirchen, der heutigen orthodoxen Kirche, näher als der römischen Westkirche, auch wenn der „Apostel Irlands“, St. Patrick, vom römischer Papst entsandt worden sein sollte.

Eigenarten des keltischen Christentums waren vor allem:
– Das keltische Christentum war keine organisierte, einheitliche Kirche.
– Es war kein Christentum der Städtekultur wie das des römischen Reiches, sondern lebte auf dem Land.
– Es kannte keine Hierarchie von Patriarchen und Metropoliten.
– Der Schwerpunkt des keltischen Christentum lag im Mönchswesen, die geistliche Autorität lag bei den Äbten der Klöster. Sie hatten auch die Bischofsweihe. Es gab keine fest umgrenzten Parochien und damit keine lokalen Pfarrer.
– Bischöfe hatten keine Diözesen. Es konnte an einem Ort mehrere Bischöfe (Äbte) geben, und die Weihe wurde von einem Bischof vollzogen, nicht von dreien wie in der orthodoxen und katholischen Kirche üblich.
– Die keltischen Klöster legten großen Wert auf das Studium der Bibel. Irland bekam den Ruf der „Insel der Heiligen und Gelehrten“. Karl der Große lud aus diesem Grund viele irische Gelehrte an seinen Hof.
– Priester mussten Steuern zahlen und Militärdienst leisten und waren der weltlichen Justiz unterstellt.
– Das keltische Christentum hatte einen eigenen Stil der Tonsur, die transverse Tonsur, bei der die vordere Hälfte des Kopfes geschoren wurde.
– Die Taufe wurde durch Untertauchen und ohne Salbung, aber mit anschließender Fußwaschung vollzogen.
– Die Peregrinatio der Mönche, das Verlassen der Heimat als asketische Übung, mit der sich ein eigener Typ des Missionierens unter den heidnischen Völkern Europas verband.

Iona heute: Unsere Eindrücke und Erlebnisse

Wir sind mit unserer vierzehnköpfigen Gemeindegruppe hierher gekommen, um eine Woche dort mitzuleben, wo die Iona Community ihren Hauptort und ihr damit räumlich ihr geistliches Zentrum hat. Gemeinsam sind wir für eine knappe Woche eine Gemeinschaft auf Zeit mit den anderen Gästen aus Großbritannien und der ganzen Welt.

Das Leben in dieser Woche ist gekennzeichnet von einem gottesdienstlichen Rhythmus. Morgens und abends jeweils um 9 Uhr wird in der Abteikirche Gottesdienst gefeiert. Aber hier auf Iona wird Gottesdienst wie in Römer 12,1 durchaus in einem weiteren Kontext verstanden – das ganze Leben mit all seien Vollzügen hat gottesdienstlichen Charakter. Schon zu Beginn der morgendlichen Liturgie fällt mir der Satz auf: „We will continue our worship….“ – „wir wollen unseren Gottesdienst fortsetzen“. Aber das ist auf Iona Programm: Das gemeinsame Leben während des Aufenthalts, das für die Gäste auch Dienste in der Küche oder Helfen beim Putzen bedeutet, wird umfassend als ein Gottesdienst gesehen. So werden immer wieder beim Ankommen und Verlassen der Kirche Akzente gesetzt, dass klar wird: Hier ist der Gottesdienst im Heiligen Raum nicht vom Gottesdienst im profanen Raum getrennt. Oft verlässt die Gemeinde die Kirche mit einem Liedruf auf den Lippen die Kirche, um sich singend und lobend ans Tagwerk zu begeben.

Gottesdienstbesucher in der Abteikirche werden immer wieder ermutigt, auch mit bisher unbekannten Menschen ins Gespräch zu kommen. Am Abend unserer Ankunft ist im Abendgottesdienst die Möglichkeit, über das Thema ins Gespräch zu kommen: Ist Iona ein heiliger Ort, und was macht Iona dazu? Das Gespräch darüber soll man bewusst suchen mit einem Fremden, den man noch nicht kennt. Auch nach dem Abendmahlsgottesdienst am Sonntag morgen sind alle eingeladen, einen Haferkeks mit einem Fremden zu teilen. Gottesdienst wird weitergelebt, indem Menschen aufeinander zugehen und sich an einem Teil ihrer Geschichte teilhaben lassen. Der Gedanke, sich wirklich zu begegnen, zieht sich durch die ganze Woche bis zum zweiten Abendmahlsgottesdienst am Vorabend der Abreise der Gäste. An diesem Abend wird ein großer langer Tisch mit den Abendmahlsgaben zwischen dem Chorgestühl der Kirche aufgebaut, so dass man bei der Abendmahlsfeier direkt in die Gesichter vieler Menschen schaut, denen man in der Woche begegnet ist.

Wenn ich eine Woche in der Iona Community bin, hilft mir das auch, in die natürlichen Rhythmen des Lebens besser einzutauchen und mich andererseits den verschiedenen Lebens- und Glaubensthemen zu stellen, die mich als Christ bewegen.

Es ist ein Rhythmus zwischen Empfangen, stille sein und auf Gott zu hören einerseits, und Aktivität, Herausgefordertsein und in den Alltag losgehen andererseits. Das wird schon in der Raumaufteilung des Kirchengebäudes deutlich: Auf der einen Seite gibt es mit dem „Quiet Corner“ einen Bereich der Stille und des Gebets, wo Kerzen angezündet werden und Gebetsanliegen in einen Kasten geworfen werden können. Gegenüber ein Bereich, wo auf Stellwänden über verschiedene Anliegen der Iona Community zum Thema: Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung informiert wird.

Die Abendgottesdienste haben jeden Tag der Woche einen anderen Akzent: Am ersten Tag ein Willkommensgottesdienst, am Sonntagabend ein Gottesdienst der Stille mit langer Zeit zu persönlicher Meditation und Gebet, dann ein Gottesdienst, der ein ökologisches, gesellschaftliches oder politisches Thema aufgreift, ein Gottesdienst zum Thema Schöpfung oder „commitment“ (dabei geht es oft darum, sich etwas vorzunehmen, was man im Alltag umsetzen möchte), ein Gottesdienst zum Thema Heilung und der schon erwähnte Abendmahlsgottesdienst am Abschiedsabend. Das alles führt dazu, dass man zentrale Themen der christlichen Praxis intensiv vor Augen und Sinne bekommt.

Der Gottesdienst, der sich dem Thema Heilung widmet, heißt offiziell „Service with prayers for healing and laying on of hands“ (Gottesdienst mit Gebeten für Heilung und Handauflegung). Zu diesem Gottesdienst gibt es eine Abendveranstaltung, die dazu helfen soll, das Verständnis von Heilung, wie es die Iona Community dem Gottesdienst zugrunde legt, besser zu ergründen. Zum Thema Heilung gibt es unterschiedlichste Vorverständnisse. Dem einen ist es gänzlich fremd, weil es in seiner Gemeinde oder Kirche schlichtweg nicht in der Praxis des Glaubens vorkommt. Andere mögen an Großereignisse denken, wo charismatische Prediger Krankenheilungen durchführen.

Die Heilungsgottesdienste auf Iona sollen ein ganzheitliches Verständnis von Heilung zum Ausdruck bringen. Sie sind nicht dafür bekannt, dass es spektakuläre Heilungen gibt. Heilung wird ganzheitlich verstanden. An einer Stelle des Gottesdienstes besteht die Möglichkeit, in einen Kreis zu treten und sich segnende Hände auflegen zu lassen, während die Gemeinde den Zuspruch spricht: „Spirit of the living God, present with us now, enter your body, mind and spirit and heal you of all that harms you.“ (Geist des lebendigen Gottes, der mit uns gegenwärtig ist, kehre bei Dir ein, in Körper, Seele und Geist und heile Dich von allem, was Dir weh tut). Jeder ist eingeladen, mitzusprechen. Menschen, die den Zuspruch erfahren haben, können nochmals Teil des Geschehens werden, indem sie denen die Hände auflegen, die nach ihnen in den Kreis eintreten. Jeder kann den Zuspruch der Heilung empfangen, aber auch weitergeben, so lebt die Heilung auch von und in der Gemeinschaft. Viele berichten, dass der Zuspruch ihnen gut tut, weil sie sich als ganzer Mensch von Gott neu gewürdigt fühlen und Trennungen und Belastungen des persönlichen Lebens etwas von ihrer Schwere verlieren. Im gleichen Gottesdienst werden in einer Gebetszeit die Namen und Nöte von Menschen verlesen, die die Iona Community durch die Box in der Abteikirche oder durch Emails aus der ganzen Welt erreicht haben.

Ist Iona ein besonders heiliger Ort? Auf jeden Fall ein Ort voll Gottesdienstes. Des Gottesdienstes, in dem Gott Menschen dient und Menschen Gott dienen. Des Gottesdienstes, der auf der Welt der schützenden und bergenden Kirchenmauern heraus weiter wirkt an den Alltag, an dem Menschen leben und arbeiten. Des Gottesdienstes, in dem man in von der Natur vorgegebene und rituell geprägte Rhythmen eintritt und sich als Teil einer wertvollen, aber zerbrechlichen Schöpfung genauso wie als Teil einer die Welt und die Jahrhunderte umspannenden christlichen Gemeinschaft erlebt. Die Formen dafür sind schlicht und unspektakulär, aber trotzdem tiefgehend und besonders. Wenn man nach einer Woche dann wieder die Insel verlässt, dann wirkt der geistliche Impuls Gott sein Dank nach und inspiriert an den unterschiedlichsten Orten, wo Menschen sind, die eigene Art und Weise, Gottesdienst wahrzunehmen und zu leben.

Advertisements

Über Dr. Erhard Griese

Jahrgang 1936, verheiratet, drei erwachsene Töchter, vier Enkelkinder. Dr. theol. und Pfarrer i. R. der Evangelischen Kirche im Rheinland. Ich möchte hier Beiträge zu den Themen "Theologie" und "Pilgerreisen" anbringen.
Dieser Beitrag wurde unter Keltisches Christentum veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s